MEURER ARCHITEKTUR + STADTPLANUNG | Inspiration
Meurer, Meurer Architekten, Meurer Architektur + Stadtplanung, Prof. Dipl.-Ing. Thomas J. Meurer, Dipl.-Ing. Kristina Meurer, Architekten Frankfurt am Main
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STADTVERSTÄNDNIS

Das Leben in Gemeinschaft hat viele Vorteile. So ist die Stadt als Organisationsform menschlichen Gemeinschaftslebens entstanden. Dies gilt noch heute. Ihre Ausprägungen sind über den Erdball verteilt sehr differenziert. Ihre Probleme auch. Global gültige Rezepte ihrer Lösungen greifen daher nicht.

Es gilt: sich dem „einzelnen Ort“ zu nähern und für seine einzigartigen Themen gesellschaftlich-architektonische Antworten zu geben. Unser heutiges Stadtverständnis ist selbst unter Fachleuten dispers. Uns ist Selbstverständliches abhanden gekommen. In Abwandlung eines Aphorismus T.W. Adornos könnte man behaupten:

 

Zur Selbstverständlichkeit wurde, dass nichts den Städtebau betreffend, mehr selbstverständlich ist.

 

Dort wo Stadt heute noch funktioniert kann man lernen wie es zu tun ist. Es gilt mehr denn je die Schönheit der Stadt wieder in den Focus zu stellen.

„Städte-Bau“ ist keine soziologische und ebenso wenig eine rein technokratische Disziplin. Es ist zu allererst Raumbildung für Ereignisse gemeinschaftlichen Handelns. Dies wurde und wird allzu oft durch eine technizistische Sichtweise verdrängt oder übersehen.

DAS DETAIL

Im Bauen geht es immer um Fügungen (Tektonik). Dies gilt auf allen Betrachtungsebenen und in allen Maßstäben. Nicht nur der neue Stadtteil will in den bestehenden Kontext sinnfällig gefügt werden, das Stadthaus in die Baulücke, auch das einzelne Detail will in den Kontext des Gebäudes gefügt sein.

Wir verstehen Detailarbeit jedoch nicht als technische Leistungsschau auf der Suche des „Noch-nie-Dagewesenen“ von sondern als konsequente Fortsetzung der übergeordneten Gestaltungsidee des Gesamtprojekts. Es gilt den „roten Faden“ zu bewahren und alle Entscheidungen auf Kohärenz mit der Leitidee des Konzepts zu überprüfen.

Wenn es dem Detail gelingt scheinbar ohne Aufwand Sinnlichkeit zu stiften, hat sich das Konzept bestätigt.

DAS  LICHT

Das Gemälde Pieter Janssens Elginas aus dem 17.Jhd. zeigt neben vielen Details eines zeitgenössischen Interieurs, dass Licht nicht eine Frage von Quantität, denn mehr eine Frage der Qualität ist. Eine weite Glasfront würde sicher mehr Licht in den Raum bringen. Wären dann aber die abwechslungsreichen Lichtkegel auf Wand und Boden noch vorhanden und wäre dann die Lesende noch sicher vor den Blicken der Passanten?

Auch im Umbau des „Haus M“ aus dem Jahr 2006 wurde mit Licht in der Form gearbeitet, dass es akzentuiert und nicht ausleuchtet.

WILD UND ARTGERECHT

Eine große Leidenschaft von Kristina Meurer ist die Kunst der artgerechten Ernährung des Menschen. Sie ist ganzheitliche Ernährungsberaterin nach Paracelsus, Kräuterkundige und Yogini. Auf Ihrer Homepage findet der interessierte Leser sowohl wissenschaftlich anerkannte Grundlagen zur Ernährung, Biologie und Pathologie des Menschen, als auch eine andere Sichtweise der Dinge, die es dem Menschen nahelegt zur Natur zurückzukehren und sich wieder artgerecht zu ernähren um Zivilisationskrankheiten vorzubeugen und die Heilung bereits bestehender Krankheitsbilder zu unterstützen.

PLASTIZITÄT UND FORM

Das Modell einer Studienarbeit Kristina Meurers an der THM in Gießen aus dem Jahr 2002 zeigt ein weiteres Thema unserer Beschäftigung mit Architektur: die Plastizität. Der Entwurf einer Autobahnkapelle wurde quasi intuitiv ausschließlich per Hand am Modell (Ton) entwickelt. Der Zentralraum der Kapelle zeigt ein zerklüftetes Äußeres. Aus den Verschränkungen und Verschneidungen resultieren spektakuläre Lichtführungen im Inneren. Man fühlt sich erinnert an die Betonkirchen Gottfried Böhms aus den 60er Jahren oder an Plastiken des Wiener Bildhauers Fritz Wotruba.

RELIEF VERSUS FLÄCHENBÜNDIGKEIT

In der Musik gehört die Variation eines Themas zu den elementaren Stilmitteln einer Komposition. In der Architektur ebenso. Ein wesentliches Kriterium der formalen Ausprägung der Moderne ist die Erlangung einer Flächenbündigkeit. Dieses formale Thema hat jedoch nur geringes Potenzial einer Variation.

 

Anders das Relief.
Eine erhabene Fensterlaibung birgt einen Schatz an gestalterischen Möglichkeiten.

 

Sie müssen nicht zwangsläufig in historisierenden Formen enden.

Bei der Fassadengestaltung des Tower 1 in Frankfurt/M wurde beispielsweise das Bild eines Stahlgewebes in eine plastische Fassadenstruktur übersetzt. Beim Stadthaus am Markt in Frankfurt/M bilden kräftige Fensterbänke aus monolithischem Sandstein ein lebendiges Schattenspiel im Sonnenlicht.

DIE ZEICHNUNG

Wir sehen Zeichnung als Mittel der Kommunikation, mittels derer wir dem Betrachter Informationen schenken möchten, darüber was wir sehen und wie wir es sehen. Insofern sind unsere Entwurfszeichnungen häufig prall gefüllt und detailreich illustriert.

Ein befreundeter Lehrmeister nicht nur in dieser Hinsicht war Andreas Brandt(†2014), an dessen Lehrstuhl (TU Darmstadt) Tom Meurer in den Jahren 1994 bis 2000 beschäftigt war. Brandts meisterhafte Zeichnungen aus Reisen vorwiegend nach Asien, zeigen oft alltägliche Gebäude mit sämtlichem Interieur, sodass Grundrisse und Schnitte eine fotografische Qualität erhalten. Der Betrachter findet immer neue Details, wie Messer, Vorhänge oder Schuhe, die den Raum mit Informationen über das Leben in demselben füllen.

FRÜHE ARBEITEN

Das Phaszinosum des Unterirdischen hat viele Baumeister seit je her inspiriert. Giovanni Battista Piranesis „Carceri“ waren Vorlage einer Auseinandersetzung mit den räumlichen Sonderlichkeiten und Möglichkeiten eines Bauens „unter dem Tag“.
Tom Meurers „Thermenmuseum“ aus dem Jahr 1990 (Diplomarbeit an der TU Berlin), hebt eine Schicht der „Tagesdecke“ an und interpretiert dieses Herausgelöste als benutzbaren Raum, in welchem sich die neuen Räume des Museums befinden.

HANDWERK

Die manuelle Bearbeitung von Materialien am Bau wird mehr und mehr durch technische Fertigungsmethoden ersetzt. Wir erkennen und respektieren die Vorteile dieser Methoden, ohne jedoch auf die handwerkliche Bearbeitung, wo sie möglich und sinnvoll erscheint, verzichten zu wollen.

Es ist schlicht auch ein Stück Lebenserfahrung, dass alles was durch eine Hand gegangen ist, eine Wertigkeit besitzt die technologisch nicht ersetzt werden kann.

RAUM UND ZEIT

Die Stadt Trier ist gleichsam wie aus einer Erzählung Italo Calvinos stammend: sie ist

 

„Zwei Städte“.

 

Als in den 1980er Jahren bei Ausschachtungsarbeiten zu einem geplanten Sparkassengebäude, quasi zufällig die älteste römische Thermenanlage nördlich der Alpen zu Tage trat, entstand die hier zu sehende Luftaufnahme. Wie die Gebeine eines Leichnams zeigen sich die Mauerreste aus römischer und karolingischer Zeit mehrere Meter unter der Stadtdecke der Neuzeit. Die Geometrie ihrer Mauern quer und ohne Bezug zueinander, als hätten sie nichts miteinander gemein außer einer zweitausendjährigen Zeitschicht, die sie unversöhnlich trennte.
Die Kontinuität unserer Existenz aber auch das Unvereinbare von Gegensätzen zeigt dieses Bild.
Bauen bedeutet Interpretation des Vorgefundenen. Es gibt wenig Verbindliches was man dem mit Sicherheit anfügen könnte. Daher ist Bauen eine Kunst aus Zeit und Raum.

WURZELN

Tradition und Erinnerung bilden in unserer Arbeit eine wichtige Basis aus der heraus sich das Zeitgemäße ableitet. Nicht zu verkennen sind hierbei persönliche Hintergründe, und Erfahrungen die quasi unmerklich bei jeder Betrachtung einer neuen Aufgabe mitschwingen.

Tom Meurers Großväter, Hans Bender und Josef Meurer, waren beide Steinmetzmeister aus Ettringen/Eifel. Sie bearbeiteten u.a. den weithin bekannten „Ettringer Tuff“ der unter anderem bei der Restauration der Nieuve Kerk in Amsterdam verwendet wurde.

Die Kindheit auf den Leyen, die Unverfälschtheit eines einfachen aber klaren Lebens und das Natürliche des Baumaterials Stein bilden für uns eine Wirkungseinheit.